1. Allgemeiner Aufbau und Funktionsweise
Der grundlegende Aufbau und die Funktionsweise eines FinFET unterscheiden sich nicht von einem herkömmlichen MOS-Feldeffekttransistor. So gibt es auch hier einen Source- und Drainanschluss, über die der Stromfluss erfolgt. Die Steuerung des Transistors regelt eine Gateelektrode. Im Gegensatz zum klassischen, in Planarbauweise hergestellten Feldeffekttransistor wird der Kanal zwischen Source und Drain jedoch als dreidimensionale Struktur auf dem Siliciumsubstrat erzeugt, so dass die Gateelektrode diesen von mehreren Seiten umschließen kann. So wird ein wesentlich besseres elektrisches Verhalten ermöglicht: Leckströme können reduziert und Steuerströme besser kontrolliert werden.
Die dreidimensionale Struktur erzeugt jedoch auch neue parasitäre Kapazitäten und minimale Abmessungen (engl. critical dimension), die optimiert werden müssen. Die Gatelänge wird in einem FinFET parallel zum Kanal gemessen, während die Weite des Gates der doppelten Finnenhöhe plus der Finnenbreite entspricht. Die Höhe des Kanals limitiert den Steuerstrom und die Gatekapazität, die Breite beeinflusst die Durchbruchspannung und Kurzkanaleffekte und die daraus resultierenden Größen wie den Stromverbrauch.
Einordnung
Der FinFET ist keine Zukunftstechnik mehr, sondern hat eine abgeschlossene Epoche geprägt. Nachdem er jahrzehntelang erforscht worden war, kam er 2011 erstmals in die Serienfertigung und war über ein Jahrzehnt die Standardbauform aller leistungsfähigen Prozessoren. An den kleinsten Strukturen ist er inzwischen selbst abgelöst worden: Wird die Finne immer schmaler und höher, lässt sie sich mechanisch kaum noch beherrschen, und die Weite des Gates ist nur in Stufen einstellbar – sie ergibt sich aus der Anzahl der Finnen und lässt sich nicht stufenlos wählen. Der Nachfolger löst beide Probleme, indem er die Finne umlegt (siehe Vom FinFET zum Nanosheet).
Im Folgenden wird der Aufbau eines Multigate-Transistors mit drei Gates (Tri-Gate) im Bulk-Prozess beschrieben.