1. Wafervereinzelung und Oberflächenveredelung
Der Einkristallstab wird zunächst auf den gewünschten Durchmesser abgedreht und bekommt dann, je nach Kristallorientierung und Dotierung, einen oder zwei Flats. Der größere Flat dient dazu, die Wafer in der Fertigung exakt ausrichten zu können. Der zweite Flat dient zur Erkennung des Scheibentyps (Kristallorientierung, p-/n-Dotierung), ist aber nicht immer vorhanden. Bei Wafern ab 200 mm Durchmesser werden an Stelle der Flats sogenannte Notches verwendet. Dabei handelt es sich um eine winzige Einkerbungen am Scheibenrand, die ebenfalls eine Ausrichtung der Wafer ermöglicht, aber sehr viel weniger kostbare Fläche des Wafers beansprucht.
Sägen
Historisch wurde der Einkristallstab mit einer Innenlochsäge zerteilt, deren Schnittkante mit Diamantsplittern besetzt ist. Sie schneidet genau, aber immer nur eine Scheibe auf einmal, und bis zu 20 % des Kristallstabs gehen dabei durch die Dicke des Sägeblatts verloren. Bei den heutigen Stabdurchmessern und Scheibenpreisen ist das nicht mehr vertretbar; Standard ist deshalb das Drahtsägen, bei dem mehrere hundert Wafer in einem Durchgang aus dem Stab geschnitten werden. Dabei wird ein langer Draht, welcher mit einer Suspension aus Siliciumcarbidkörnern und einem Trägermittel wie Glykol oder Öl benetzt wird, über rotierende Walzen geführt. Der Siliciumkristall wird in das Drahtgitter abgelassen und so zu Wafern vereinzelt. Der Draht bewegt sich im Gegenschritt mit ca. 10 m/s und ist typischerweise 0,1–0,2 mm dick. Zunehmend wird statt der aufgeschlämmten Körner ein Draht verwendet, in dessen Oberfläche die Diamantkörner fest eingebunden sind. Er schneidet schneller, erzeugt weniger Abfall und macht die Entsorgung der verbrauchten Suspension überflüssig.
Nach dem Sägen besitzen die Scheiben eine aufgeraute Oberfläche und, auf Grund der mechanischen Belastung, Gitterschäden im Kristall. Zum Veredeln der Oberfläche durchlaufen die Scheiben mehrere Prozessschritte.
Läppen
Mit körnigen Schleifmitteln (z.B. Aluminiumoxid) werden 50 µm (0,05 mm) der Scheibenoberfläche auf einer rotierenden Stahlscheibe abgetragen. Die Körnung wird dabei stufenweise verringert, jedoch wird die Oberfläche auf Grund der mechanischen Behandlung erneut geschädigt. Die Ebenheit nach dem Läppen beträgt ca. 2 µm.
Scheibenrand abrunden
In späteren Prozessen dürfen die Scheiben keine scharfen Kanten besitzen, da aufgebrachte Schichten ansonsten abplatzen können. Dazu wird der Rand der Scheiben mit einem Diamantfräser abgerundet.
Ätzen
In einem Tauchätzschritt, mit einer Mischung aus Fluss-, Essig- und Salpetersäure, werden noch einmal 50 µm abgetragen. Da es sich hierbei um einen chemischen Vorgang handelt, wird die Oberfläche nicht geschädigt. Kristallfehler werden endgültig behoben.
Polieren
Dies ist der letzte Schritt zum fertigen Wafer. Am Ende des Polierschrittes besitzen die Wafer noch eine Unebenheit von weniger als 3 nm (0,000003 mm). Dazu werden die Scheiben mit einem Gemisch aus Natronlauge (NaOH), Wasser und Siliciumdioxidkörnern behandelt. Das Siliciumdioxid entfernt weitere 5 µm von der Scheibenoberfläche, die Natronlauge entfernt Oxid und beseitigt Bearbeitungsspuren der Siliciumdioxidkörner.
Danach folgen eine abschließende Reinigung und eine Vermessung jeder einzelnen Scheibe auf Ebenheit, Dicke und Partikel. Ein erheblicher Teil der Wafer erhält anschließend noch eine epitaktische Schicht: eine dünne, besonders reine und definiert dotierte Siliciumlage, die auf die polierte Oberfläche aufgewachsen wird. Die eigentlichen Bauelemente entstehen dann in dieser Schicht, während die Scheibe darunter nur noch Träger ist.